Gestern war für den Nachmittag ein Bootsausflug des gesamten Castellano-Kurses angesetzt. Wir fuhren mit der Tren de la Costa an deren Endstation im äussersten Westen von Buenos Aires. Dort beginnt, wie auf diesem Bild gut zu erkennen, eine Gegend, in der sich der Rio de la Plata in viele kleine Flüsschen aufspaltet, um ein richtig tropisches Delta zu formen. Das ganze schien von den Informationsblättern her eine richtige Urwaldgegend zu sein. Allerdings war bereits der Beginn der Bootstour, die wir dort begannen, recht ernüchternd, was das anging. Auf dem Fluss schwammen wahre Müllhaufen und grosse Teile des Areals werden als Schiffsfriedhof genutzt. Erst ein Stück weiter abseits des „Kontinents“ änderte sich das Bild. So gut wie alle Inseln wurden mit kleinen Wochenendhäuschen bebaut, viele Leute, die in der ansässigen Papier- und Bastindustrie arbeiten, scheinen auch dort zu leben. Ziemlich genau nach der Hälfte der Fahrt ins Delta, am weitesten weg vom Hafen, waren dann tatsächlich auch Orte zu sehen, wo man sich gut vorstellen könnte, eine Woche in grosser Abgeschiedenheit Urlaub zu machen. Häuser wie das unten in der Mitte abgebildete prägten dort das Bild, natürlich ohne den Glaskäfig herum (die Aufnahme zeigt das „Delta-Hüttenmuseum“), und mit deutlich grösserem Grundstück. Leider gelang mir von diesen kein gutes Foto, ich hoffe dennoch, dass Euch die Bilder einen guten Eindruck von der Gegend vermitteln:)
Stille über dem Land
Juni 30, 2006Wie der Herr Emigholz bereits berichtet hat, neigen die bei der WM ausgeschiedenen Länder eher zur Introvertiertheit, als lautstarkem Ausdruck ihres Schmerzes. So auch die Argentinier, nicht weiter wild, sollte man meinen. Aber ich hab zur Zeit das Gefühl, dass ich die Verbundenheit der Gauchos zu ihrer Equipe noch unterschätzt habe: Nachdem ich ein wenig zu spät aufgestanden war, um das Spiel – wie ursprünglich geplant – an der Universität zu verfolgen, liess ich mich mit meinem Gastvater im Wohnzimmer nieder, nach etwa einer halben Stunde stiess noch mein argentinischer Kommilitone, der ebenfalls hier wohnt, dazu. So weit, so gut. Wir tranken Mate und verfolgten gemeinsam gespannt das Spiel, uns gelegentlich (relativ neutral) über das Geschehen austauschend. Nach dem Spiel allerdings verschwanden beide fluchtartig und ohne weiter mit mir zu reden. Ich schaute die Übertragung zuende an und wollte dann eigentlich, wie seit gestern geplant, mit meiner Gastmutter los zum Sport. Da ich sie den ganzen Tag noch nicht gesehen hatte, nahm ich an, sie habe das Spiel woanders verfolgt. Mein Kommilitone allerdings teilte mir mit, sie befinde sich, zusammen mit ihrer ältesten Tochter in ihrem Zimmer. Die beiden hatten das Spiel die ganze Zeit im ersten Stock verfolgt, wohl wissend, dass Ehemann, Gastsohn und ich das Spiel im Wohnzimmer anschauten. Ich ging vorbei und fragte freundlich nach, aber sie antwortete nur sie wolle jetzt auf keinen Fall raus, später vielleicht. Im Hintergrund sass ihr Mann niedergeschlagen auf dem Sofa. Zu meinem Verhalten während der Übertragung sei noch anzumerken, dass ich mich natürlich gefreut habe, mich aber sehr zurückgehalten habe, um nie den Eindruck von Schadenfreude oder übertriebenem Jubel zu vermitteln.
Nun bin ich gespannt, ob mir die Familie, insbesondere die Gastmutter, tatsächlich irgendwie die Niederlage „anhängen“, oder ob es nur momentane Niedergeschlagenheit ist. Finde es aber auf jeden Fall krass, dass sie das Spiel absichtlich nicht mit mir zusammen angeschaut hat und wie sehr sie das ganze mitzunehmen scheint. Eindrückliche Erfahrung.
Argentinische Errungenschaften I & II
Juni 28, 2006Buenas tardes:)
In Konkurrenz zur NZZ möchte ich „in loser Folge“ einige Aspekte des Lebens hier vorstellen, die mir besonders aufgefallen sind. Die beiden ersten finden sich unten auf einem Bild vereinigt.
1. Der Müllkorb.Â
Um die Müllsäcke von den anscheinend noch recht verbreiteten streunenden Hunden (hab noch keinen gesehen) fernzuhalten, deponiert der Argentinier diese in Gebilden wie dem hier im Vordergrund gezeigten. Die Form der Müllkörbe entspricht nicht zwingend immer der obigen, es gibt auch solche, die an Bäumen hängen, einige Modelle mit Rundumschutz, sowie deutlich grössere Ausführungen. In grösserer Anzahl entlang der durchweg langen und geraden Strassen aufgestellt, tragen die Müllkörbe wesentlich zum pittoresken Strassenbild der argentinischen Vorstadt bei.
 2. Die Security
Beccar ist ein reicher Vorort von Buenos Aires. Als Angehörige der oberen Mittel- und Oberschicht Argentiniens leisten sich viele Einwohner den Luxus eines 24/7 Sicherheitsdienstes. Entlang der Strassen steht an fast jedem Block (ca. 3 – 6 Häuser) ein kleines Häuschen, wie man es auf dem Bild erkennen kann. Darin oder in dessen näherer Umgebung findet sich denn dann auch – manchmal in Begleitung eines Hundes – ein (unbewaffneter) freundlicher Herr, der den ganzen Tag die Umgebung anguckt und durch seine reine Anwesenheit dafür sorgt, dass alles mit rechten Dingen zugeht. So ist man auf der Strasse nie allein und kann sich tatsächlich zu jeder Tages- und Nachtzeit unbesorgt nach draussen wagen (siehe unten). Eine Security ist sicher immer in Sichtweite.
Argentinische Errungenschaften I & II
Juni 28, 2006Buenas tardes:)
In Konkurrenz zur NZZ möchte ich „in loser Folge“ einige Aspekte des Lebens hier vorstellen, die mir besonders aufgefallen sind. Die beiden ersten finden sich unten auf einem Bild vereinigt.
1. Der Müllkorb.Â
Um die Müllsäcke von den anscheinend noch recht verbreiteten streunenden Hunden (hab noch keinen gesehen) fernzuhalten, deponiert der Argentinier diese in Gebilden wie dem hier im Vordergrund gezeigten. Die Form der Müllkörbe entspricht nicht zwingend immer der obigen, es gibt auch solche, die an Bäumen hängen, einige Modelle mit Rundumschutz, sowie deutlich grössere Ausführungen. In grösserer Anzahl entlang der durchweg langen und geraden Strassen aufgestellt, tragen die Müllkörbe wesentlich zum pittoresken Strassenbild der argentinischen Vorstadt bei.
 2. Die Security
Beccar ist ein reicher Vorort von Buenos Aires. Als Angehörige der oberen Mittel- und Oberschicht Argentiniens leisten sich viele Einwohner den Luxus eines 24/7 Sicherheitsdienstes. Entlang der Strassen steht an fast jedem Block (ca. 3 – 6 Häuser) ein kleines Häuschen, wie man es auf dem Bild erkennen kann. Darin oder in dessen näherer Umgebung findet sich denn dann auch – manchmal in Begleitung eines Hundes – ein (unbewaffneter) freundlicher Herr, der den ganzen Tag die Umgebung anguckt und durch seine reine Anwesenheit dafür sorgt, dass alles mit rechten Dingen zugeht. So ist man auf der Strasse nie allein und kann sich tatsächlich zu jeder Tages- und Nachtzeit unbesorgt nach draussen wagen (siehe unten). Eine Security ist sicher immer in Sichtweite.
Verkehrte Welt: Die HSG ist zu 78% weiblich …
Juni 28, 2006… leider nicht ganz. Nur die Zielgruppe der Suchanfrage mit dem Stichwort „HSG“ bei MSN Search besteht zu 78% aus weiblichen Geschöpfen zwischen 25 und 34 Jahren. Dies ist tatsächlich nicht der Inhalt des schönsten Traums von Markus, sondern das Ergebnis einer Analyse von „Demographics Prediction„, einem Tool der Microsoft adCenter Labs. Der Beweis:

Vielleicht nicht gerade sehr objektiv, da Universität St. Gallen (HSG) und andere Suchvarianten ein völlig anderes Bild ergeben, für eine reisserische Schlagzeile mit maximalem Spassfaktor hats aber trotzdem gereicht
(via namics blog)
La universidad y la cena
Juni 27, 2006Guten Abend:)
Heute war der erste Tag an der Universität, der Beginn des Intensivkurses in Castellano. Zu Anfang gabs eine kleine Vorstelllungsrunde und ein gemeinsames Frühstück. Die Gruppe besteht aus ca. 20 Studis; mit Ausnahme zweier Franzosen aus Paris, einer Togolesin und mir sind es ausschliesslich Amerikaner. Allerdings sind alle richtig motiviert, reden auch untereinander nur spanisch und sind überhaupt sehr kommunikativ. Auch während kleinerer Pausen gabs stets reges Palaver. Nun, nach dem Frühstück fand dann noch ein Einstufungstest statt, von dem ich vorher nichts gewusst hatte, so bin ich ihn denn auch in der Erwartung angegangen, in der „schlechteren“ der beiden Gruppen namens „Intermedio“ zu landen. Seltsamerweise sahen das die Durchführenden nicht so und steckten mich kurzerhand in den „Avanzado“-Kurs. OK:) Rechnete ich nun mit einer Art Spanischstunde, musste ich mich auch hier enttäuscht sehen. Vielmehr diskutieren wir einfach in einer Gruppe von sechs Leuten im einen Teil über lateinamerikanisches Kino der 60er und 70er und im anderen über argentinische Literatur. Hier mitzukommen war schon heute zum Auftakt eine echte Herausforderung, bin sehr gespannt wie es dann morgen wird:)
Hier zwei Bilder der Universität. Die Gebäude, die man hier sieht, sind schon so ziemlich alles. Es gibt lediglich noch ein Bibliotheksgebäude, das in seiner Grösse in etwa einem der beiden Flügel des Hauptgebäudes entspricht. Aber schön ists:)
Nach Feierabend im Kurs und dem Mitverfolgen des ziemlich tristen Ausscheidens „unserer“ Schweizer Nati brachte ich den Heimweg dann in Ermangelung eines Radiotaxis zu Fuss hinter mich (aber _morgen_ kauf ich mir ein Handy;)..). Zuhause folgte dann noch ein eindrückliches Erlebnis in Sachen Esskultur. Das Abendessen gestaltete sich nämlich folgendermassen. Wir sassen mit acht Jugendlichen (5 Kinder meiner Gastmami, ein Kollege eines Sohns, ein Kommilitone, der auch in der Familie wohnt, und mir) um den Tisch herum. Auf den Tellern lagen Steaks, Kartoffeln mit Ei (der Argentinier an sich _mag_ gekochte Eier zu allem=)) und ein paar gerriebene Rüebli. Ausnahmslos alle haben sich mehr als zwei Teller voll genommen und die Köchin ist dreimal mit einem neuen, vollen Teller gebratenenen Steaks aus der Küche gekommen. Liebe In-Europa-Weilende, das war kein Essen, es war ein Festschmaus. Einfach Kohlenhydrate satt. In Form bester Steaks. Das Leben ist schön:)
Die Lage..
Juni 24, 2006.. erweist sich als nahezu perfekt. Unsere Nationalelf muss sich vor niemandem mehr verstecken, mein Koffer ist gut angekommen und dank Simeons Hilfe darf ich nun sogar die grossartige Onlineausgabe der NZZ nutzen:)
Vor allem das vorbildliche Funktionieren des Gepäckservices hat mich heute überrascht. Bereits heute morgen konnte ich mittels meiner Vorgangsnummer über das Internet einsehen, dass er mittlerweile am Flughafen in Buenos Aires angekommen war, vor einer Stunde wurde er dann ins Haus geliefert. Hut ab.
Nun noch die versprochenen Bilder. Links meine bescheidene Behausung in Beccar. Rechts meine Gastmutter in der Metzgerei beim Aussuchen des Abendessens für gestern:) Bei den Preisen bitte ich zu beachten, dass 4 Pesos einem Euro entsprechen!
Es steht 1:1 bei Argentinien – Mexico, ich muss los:) Hasta la proxima.
Ein Bild vom Mittwoch
Juni 24, 2006Am vergangenen Mittwoch durfte ich noch einmal mit einigen Leuten an den Weihern zusammensitzen und die Sommersonne mit Eis und Limonade geniessen. Hier noch ein Bild von diesem Nachmittag:)
Erster Tag vorbei
Juni 24, 2006.. und ich fall todmüde, aber umso zufriedener ins Bett.. War mit meiner Gastmutter noch Einkaufen in San Isidro. Ein Foto vom Angebot der örtlichen Metzgerei gibts hoffentlich morgen;) Nachdem ich nun über eine Zahnbürste verfüge (wer braucht schon mehr?) und es im Schweiz-Spiel tatsächlich zweimal „Gooooooooooooooooooooooooooooooooooooool“ hiess (so geil..) ist der Tag vorbei und er war gut. Fehlt mir nur noch das Köfferchen, dann lässt sich das richtig gut an hier. Hasta manana, buenas noches.
P.S.: Gab übrigens Rindfleisch zum z’Nacht.. =)
Guet acho
Juni 23, 2006Hello World auch von meiner Seite:-)
Nach einer doch ziemlich langen Reise (27 Stunden) bin ich vor einer Stunde (13.00 Uhr Ortszeit, bei Euch ists fünf Stunden später..) bei meiner Familie im schönen Beccar ganz nahe bei Buenos Aires aufgeschlagen. Gefällt mir fürs erste richtig gut hier, ich hab ein eigenes Zimmer, meine Gastmama Inés ist supernett und sie backt guten Kuchen:-) Von meinem Schreibtisch aus hab ich dankbarerweise auch Zugriff auf ein benachbartes WLAN, so dass ich das hier schreiben kann.
Meine Flugroute hat mich von Frankfurt zunächst mit der Varig nach Sao Paulo geführt und von dort nochmal mit der Lufthansa nach Buenos Aires. Klingt einfach, wars aber nicht: In Frankfurt sind wir erstmal mit 90 Minuten Verspätung losgeflogen, ob das Computerproblem von der brasilianischen Crew nur fingiert war, um das WM-Spiel Brasilien – Japan fertiggucken zu können sei mal dahingestellt
In Sao Paulo war dann richtig Rennen zum Anschluss angesagt. Die Gepäckheinis haben sich anscheinend noch ein wenig mehr Zeit gelassen, denn in Buenos Aires musste ich mit einigen anderen, die die selbe Route geflogen waren, feststellen, dass das Gepäck dann noch hoffentlich irgendwann nachkommen würde. Im Moment schränkt das die Auswahl an Kleidern bedauernswerterweise ziemlich ein, umso ärgerlicher deshalb, weil ich nunmal schon knapp 30h in ihnen stecke*g*. Anyway, jetzt erstmal eine Dusche, dann Schweiz – Korea schauen (mit Kommentar en castillano!) und dann eine Zahnbürste kaufen und hoffen:-)
Im nächsten Beitrag, hoffe ich, kommen dann ein paar Fotos vom Haus und der Umgebung. Bis dahin: Hasta la proxima:)
Verfasst von abroadblog
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