Weitere Schreiberlinge

Juli 25, 2006

Geschätzte Mitleser.

Um Dominik nur für einen kurzen Moment die Protagonisten-Rolle zu entreißen, möchte ich kurz den Gedanken äußern, ob wir (oder: DU, Andi) die Anzahl schreibender Kommilitonen nicht erhöhen sollten. Damit möchte ich in keinem Falle sagen, dass mir bisherige Inhalte nicht gefielen, doch würden sich vermutlich noch mehr Auswärtige an der Möglichkeit zu schreiben beteilligen wollen (und auch ihre Familien dafür begeistern lassen)?

Konkrete Namen wären

  • Matti & Davina
  • Lisa
  • Yasir
  • …weitere erfragen?

Was meint ihr?


Evita, Reisepläne und Endspurt

Juli 24, 2006

Vergangenen Donnerstag waren wir mit dem Literaturkurs nicht in der Universität sondern im Museum Evita von Buenos Aires verabredet. Für diejenigen, die den Hintergrund nicht kennen: Eva Perón war die Ehefrau des langjährigen argentinischen Präsidenten Juan Perón. Sie war bereits zu Lebzeiten aufgrund ihrer Volksnähe und ihres caritativen Engagements äusserst beliebt, nach ihrem Tod wurde sie für das argentinische Volk (oder doch zumindest grosse Teile davon) zur Legende. Nun hat die Politik ihres Ehemannes bis heute nicht nur Freunde, er regierte sehr autoritär, vergrösserte den Einfluss des Staates in allen Bereichen und betrieb für sich selbst umfassende Propaganda. Evita selbst wurde und wird heute noch als Werkzeug dieser Politik gebraucht. Und wie gross der Einfluss der „Partei“ auch heute noch ist, zeigte sich uns während des Museumsaufenthaltes: Unsere Professorin, die uns natürlich die Ausstellung erklärte, wurde bereits nach wenigen Minuten aufgefordert, selbiges zu unterlassen. Führungen gäbe es von Seiten des Museums und andere seien nicht erwünscht, um sicherzustellen, dass die Leute nur die „Wahrheit“ erführen. Nach einem Gespräch mit der Museumsdirektorin musste unsere Professorin sich dann verpflichten, nur noch über den Bezug der Ausstellungsstücke zur im Kurs behandelten Literatur zu sprechen. Jegliche Vermittlung von „Fakten“ sollte durch Museumsangestellte erfolgen. Hierzu ist noch anzumerken, dass Laura sich zwar durchaus kritisch zum überaus schön gefärbten Leben und Wirken der Sra. Perón geäussert hat, jedoch nie polemisch geworden war. Interessante Erfahrung.. Hier noch ein Bild vom Kaffee im Anschluss:

Curso Laura Isola

Im Laufe der Woche wurden nun auch unsere Reisepläne für die Zeit zwischen Kursende und Semesterbeginn konkretisiert:) Es geht in Richtung Nordwesten! Die Reise beginnt am Freitag morgen mit einer ca. 15-stündigen Busfahrt nach Tucumán, von dort geht es dann über Land weiter nach Salta und wenn die Zeit noch reicht nach Jujuy. Noch ist unklar, ob uns lediglich 6 oder 10 Tage zur Verfügung stehen, das hängt davon ab, ob wir wirklich zum „Orientation Day“ der Universität gehen müssen. Die Reisegruppe besteht aus Samantha (nicht im Bild), Michael (links), Arie (2. v. l.) und mir und es wird gut!:) Wir haben keine festen Pläne und fahren einfach dahin, wohins uns zieht. Es warten wunderschöne Landschaften und sogar einige Inkaruinen auf uns:)

Bis es aber tatsächlich losgeht, steht diese Woche noch der Endspurt im Castellanokurs an, mit zwei mündlichen Präsentationen und zwei Papers, die ich verfassen muss. Bis Donnerstag abend wird es also auch nicht langweilig:)


Argentinische Errungenschaften III

Juli 18, 2006

Fresco y patata

Ein leckerer Nachtisch, bestehend aus einer dicken Scheibe von der süssen Kartoffel (patata), garniert mit einer dicken Scheibe Butterkäse (fresco). Ist nicht so schwer wies klingt und dabei sehr schmackhaft:) Wir essens ungefähr einmal pro Woche, nach dem Abendessen..

fresco y patata


Erreichbarkeit

Juli 15, 2006

.. bin ab sofort für SMS auch wieder unter meiner Schweizer Handynummer erreichbar:) Anrufe bitte weiterhin nur auf die argentinische Nummer, Roaming ist preistechnisch hier ziemlich unstudentisch;)

P.S.: Umso schöner der Bahnhof Retiro bei Sonnenuntergang:)

retiro y el atardecer


el comedor y zapatillas nuevas

Juli 14, 2006

Liebes Tagebuch

Heute musste ich früher als sonst an der Uni sein, denn es stand wieder ein Ausflug mit dem Sprachkurs an. Das Wort Ausflug ist vielleicht nicht ganz gerechfertigt, denn wir fuhren in ca. einer halben Stunde in ein sehr armes Viertel von Buenos Aires. Dort besuchten wir zunächst einen lokalen Radiosender, „Radio Reconquista 89.5″. Dessen Moderatorin Marcelita, die nebenberuflich im bekanntesten Restaurant (La Estancia) von Buenos Aires als Sängerin auftritt, „interviewte“ uns „on air“ und erzählte uns ein wenig über Inhalt und Motivation des Vereins.

Marcelita

Wie wir erfuhren, gibt es in dem Viertel tatsächlich nur durch den Einsatz der Leute vom Radiosender mittlerweile Strom, Trinkwasser und Telefon. Was noch fehlt ist die Kanalisation.. Auf dem Weg von der Radiostation zum Kindergarten, unserer zweiten Station, lagen an jeder Ecke grosse Müllhaufen, in denen Hunde wühlten, die Strasse war eine einzige schlammige Pfütze und die Hütten winzig und windschief. Ich hab davon nur aus dem Grund keine Fotos, weil uns dringend nahegelegt wurde, alle Handies, Kameras etc. nicht öffentlich zu zeigen.. Was für ein Kontrast dazu der Kindergarten! Blitzblanker Boden und trotz des Elends draussen alle mit guter Laune und einem Strahlen auf dem Gesicht. Wir begrüssten viele der 220 Kinder zwischen 3 und 12 und halfen mit, das Essen zu verteilen und abzuwaschen. Dabei erzählten uns die Erzieherinnen stolz, was hier vermittel wird. Die Kinder lernen schon mit 5 lesen und schreiben, etwa ab 10 Jahren auch Englisch (!) und sind, das bestätigt auch der eigene Eindruck, unheimlich aufgeweckt und interessiert. Sie halten sich Hühner, pflegen den Gemüsegarten und backen Pizza in einem Ofen, der aus Einkaufswagenteilen und zwei Fässern konstruiert wurde.

el horno

So konnten wir während des Essens fröhlich über Geschwister, Fussball und den Alltag im „Comedor“ parlieren.. Der Name Comedor erklärt sich übrigens dadurch, dass das Essen auch an Familien aus der Nachbarschaft verteilt wird. Die Frauen hier haben eigentlich alle ab 5 Kindern aufwärts (über 10 ist auch nicht selten), verheiratet ist allerdings so gut wie keine.. Rechts seht Ihr einen Kurskollegen beim Essenverteilen.
los chicos        Edouard
Nachdem alle versorgt waren, haben auch wir uns an den (doch zieeemlich niedrigen) Tisch gesetzt und gegessen:) Danach wurden wir mit grosser Herzlichkeit wieder verabschiedet und fuhren zurück nach San Isídro.

Und weil ich mir da noch neue Laufschuhe gekauft habe und sie natürlich auch gleich ausprobieren musste, hier noch ein Bild vom Wendepunkt meiner Laufstrecke, direkt am Rio de La Plata.

Laufstrecke

Angie, Picknick?:)


.. die Uni brennt

Juli 13, 2006

Heute bot sich uns beim Betreten des Unigeländes ein eher ungewohntes Bild:

Encendio en UdeSA

Zwei Räume der Universität sind letzte Nacht völlig ausgebrannt, die Ursache ist noch unklar..

Das ganze hat zur Folge, dass die letzte Prüfung meines argentinischen Mitbewohners erst morgen stattfindet, was heisst: Ab morgen gehts dann erst 3 Nächte in Folge in den Ausgang:) Berichte folgen:D


Iguazú

Juli 10, 2006

An dieser Stelle möchte ich vom vergangenen Wochenende im Iguazú Nationalpark berichten:)

Die beiden Nächte von Freitag bis Sonntag verbrachten wir im Sheraton Iguazú, einem Hotel der Spitzenklasse, das muss man zugeben. Die Preise sind dementsprechend gesalzen, für ein Abendessen bezahlt man locker den vierfachen Preis wie in Buenos Aires. Aber allein der Blick aus dem Restaurant ist schon einiges Wert:)

Blick vom Frühstück

Nach unserer Ankunft und einem Imbiss verbrachten wir den restlichen Freitag am Pool (siehe Hotelwebsite) und mit dem Geniessen der Aussicht. Am Abend stand dann noch ein kleines Match auf dem hoteleigenenen Basketballcourt an, bevor wir den Tag bei einem kühlen Quilmes gemütlich auf dem Balkon ausklingen liessen.

Am Samstag fand unsere grosse Tour zu den Sehenswürdigkeiten des Nationalparks statt. Mit unserem Führer José (sehr gechillter Typ:)) stapften wir durch einige Pfützen und einen langen, über das Wasser gebauten „Laufsteg“ zu den „Cataratas„, der weltbekannten Sehenswürdigkeit hier in Iguazú, und zwar zunächst zum grössten Wasserfall, der Garganta del Diablo. Das Schauspiel dort ist wirklich beeindruckend, man versteht sein eigenes Wort kaum noch und trotz der Höhe der Wasserfälle (im Durchschnitt 70m), steht man immer wieder in der Gischt. Danach gings mit der Schmalspurbahn zurück ins Resort zum Mittagessen. Im Anschluss besichtigten wir den unteren Teil der Wasserfälle..

Waterfallposing

.. und nahmen dort auch an einer Bootstour teil, ein Riesenspass:) Der Kapitän macht allerlei Sperenzchen und fährt mit dem Boot auch so in den Wasserfall hinein, dass man komplett durchnässt wird. Nach einer kurzen und sehr schnellen Fahrt flussabwärts fuhren wir dann mit dem offenen LKW wieder zurück ins Hotel. Dort gings dann wieder gemütlich auf den Tagesabschluss zu, ich persönlich hab mir einen Saunagang, sowie eine Runde Lesen auf dem Balkon gegönnt:)

Balkonidylle

Am Sonntag morgen sind wir um 07:00 Uhr aufgestanden, um noch eine Abenteuertour durch den Dschungel zu machen. Auf dem Programm standen hier Abseilen in einem Wasserfall, einige Kilometer Wandern durch den Wald sowie An-Stahlseilen-Von-Baum-Zu-Baum-Fahren. Das Ganze war wieder ziemlich beeindruckend; einen Wald, der so zugewachsen ist, dass man wirklich überall nur Grün sieht und in dem ohne Machete kein Vorankommen ist, hab ich vorher noch nicht erleben dürfen. Auch die „total sichere“ Konstruktion, mit Hilfe derer wir auf den Urwaldriesen, der den Startpunkt des Tiefflugs durch den Wald bildete, kletterten, hat für einiges Herzklopfen gesorgt;)

total sicher


Die Erfahrung, 800m durch den Wald zu fliegen, hat dann aber mehr als dafür entschädigt! Hier ein Bild von Nick beim Start:

abgehda

.. geblieben sind mir von diesem Tag noch einige Spuren der tatsächlich roten Erde, die sich überall festgesetzt haben:)

Nach der Rückkehr ins Hotel und einer ersten Dusche rückten Abflug und das zeitgleich (!) gelegene WM-Finale immer näher.. Als wir am Flughafen dann die Nationalhymnen und die ersten vier Minuten verfolgt hatten, stiegen einige (ich eingeschlossen;)) mit dem Gefühl in den Flieger, die WM sei nun für uns gelaufen. Welche Freude, als wir in Buenos Aires entdecken durften, dass dort auf sämtlichen verfügbaren Bildschirmen gerade die Verlängerung lief.. So konnten wir den Tag und das Wochenende mit dem Gefühl beschliessen, die Zeit wirklich rundum genossen zu haben:)


Stadtrundfahrt, Deutschlandspiel und Tangonacht

Juli 7, 2006

Guten Abend:)

Nachdem es morgen schon mit dem gesamten Kurs in den Nationalpark von Iguazu geht, hier noch ein kurzer Rückblick auf die Woche:

Montag

.. stand am Nachmittag die City-Tour an. Wir fuhren nach dem Mittagessen (welches wir einmal mehr in der „Marina“ einnahmen, über sie werde ich ein andermal noch mehr schreiben) in einem kleinen Bus los. Nach ca. 30 Minuten waren wir im Gebiet der Capital Federal angekommen und fuhren dort durch mehrere Viertel, wobei wir vier Stops einlegten. Der erste war an der berühmten Plaza de Mayo, wo wir einige Fotos schossen und uns kurz den Präsidentenpalast ansahen. Danach ging es weiter nach San Telmo, in das Künstlerviertel von Buenos Aires. Das eindrücklichste Erlebnis dort war die Besichtigung eines Hauses, das einmal von einer der reichsten Familien Argentiniens (4 Personen) bewohnt worden war. Die Tatsache, dass nach dem Auszug dieser Familie 19 Familien, insgesamt über 80 Personen, das Haus bewohnten spricht für sich:) Der dritte Teil unserer Rundfahrt war La Boca, das ärmste Viertel Buenos Aires’ und gleichzeitig dasjenige mit dem meisten Lokalkolorit. Maradona und Riquelme kommen von dort und die Farben Blau und Gold der ansässigen Boca Juniors sind im Strassenbild durchweg präsent. Neben einer „blühenden“ Touristengasse ist dort allerdings sehr viel Elend zu sehen. Hier zwei Fotos:

Strassenkinder in La Boca Slum in La Boca

Das rechte Bild (aus dem fahrenden Bus aufgenommen, bitte entschuldigt die schlechte Qualität) zeigt die Behausung einiger Einwohner von La Boca. 200m weiter, im Finanzdistrikt gleich nebenan, bot sich dann dieses Bild:

Hochhaus BsAs

Überhaupt nahm ich von diesem Nachmittag den Eindruck mit, dass Buenos Aires eine Stadt der grossen Kontraste ist. Einige Häuserblocks können hier zwei Welten voneinander trennen und es gibt tatsächlich von allem etwas.
Nach dem kurzen Aufenthalt in La Boca war unsere letzte Station der Friedhof Ricoleta, auf dem die Mausoleen der Reichsten Argentiniens stehen, vor allem diejenigen der 70 Familien, denen einst buchstäblich das Land gehörte. Auch Evita Peron liegt hier begraben. Einige Familien können sich den Unterhalt der Gräber nicht mehr leisten oder existieren schlichtweg nichtmehr und so liegen auch hier wunderschöne neben verfallenden Zeugen vergangener Tage.
Cementerio Ricoleta

Dienstag

Direkt nach der Uni fuhr ich mit der Bahn in die Stadt, um mit drei deutschen Komilitonen und einigen anderen Landsleuten das Spiel gegen Italien in einer Bar in San Telmo zu verfolgen. War im Prinzip richtig gemütlich, auch ist das argentinische Bier Quilmes, wie ich erstmals feststellen durfte, tatsächlich schmackhaft:) Nur der Schluss… naja, es war kein langer Abend;)

Mittwoch

Gestern stand im Rahmen des Castellano-Kurses die Noche del Tango auf dem Programm. Das ganze fand statt im Complejo Tango, einer Kombination aus Tanzschule und Showrestaurant. Dort durften wir nach einer sehr kurzen Tangolektion (lediglich eine Einführung in „Wie führe ich die Dame?“ und das Erlernen des Grundschritts waren angeboten) ein vorzügliches Abendessen (Rindersteak, gibts was besseres?) und eine sehr unterhaltsame und ansprechende Tango-Show mit Live-Orchester und -Gesang geniessen. Das ganze war zwar ziemlich touristisch geprägt, glitt aber nie ins Kitschige über überzeichnet Wirkende ab. Und ja, ich muss sagen, ich bin angefixt. Würde unheimlich gerne mal wieder regelmässig tanzen.. Hier noch ein Foto von einem Teil der Gruppe, entstanden, während wir im Bahnhof Retiro auf den Rest gewartet haben:
Curso Gruppenbild

Morgen, am Freitag, werden wir nun gegen 08:00 de la Madrugada zu Hause abgeholt und zum Flughafen gebracht.. Die Rückkehr von unserem Urwaldtrip (mit Boots- und Jeepfahrt) ist für Sonntag nachmittag (Ortszeit) geplant, ich denke mal, dass so um den Zeitpunkt dann auch der nächste Eintrag hier ansteht:) An dieser Stelle vielen Dank fürs Lesen und bis bald:)


El Unicentro

Juli 3, 2006

Gestern war ich im grössten Einkaufszentrum Lateinamerikas, dem „Unicentro“. Es liegt ca. 15 Busminuten entfernt und bietet auf 3 Stockwerken sicher an die 100 kleinere und grössere Läden. Ich hab mir zwar „nur“ 3 CDs zugelegt, muss aber eingestehen, ich war nahe vorm Kaufrausch. Bei Kleidern liegen die Preise auf einem Level von 20 Prozenz bis 50 Prozent (bei einigen Designerklamotten) derjenigen in Deutschland oder der Schweiz und es ist wirklich hart, einem Paar schöne Jeans für umgerechnet 10 Euro zu widerstehen:) Werde auf jeden Fall nochmal hingehen, mit einer Liste derjenigen Sachen, die ich _wirklich_ brauche, oder die ich ganz gut brauchen könnte und dann gnadenlos zuschlagen. Ja, auch Einkaufen hier macht Spass:)

Morgen steht nun im Rahmen des Castellanokurses der obligatorische Stadtrundgang in Buenos Aires an, es wird das erste Mal sein, dass ich tatsächlich ins Zentrum komme. Ich hoffe, hier dann einige neue Fotos online stellen zu können und: Freu mich drauf:)