Liebe Freunde,
ich bitte um Entschuldigung für die lange Schreibpause und hoffe es geht euch allen sehr gut. Nachdem die Uni mich mit liebevollen Finals in die Ferien entlassen hat, haben 4 Freunde mit mir den Süden Peru’s und die Umgebung von boliviens wichtigster Stadt – La Paz, welche nicht die Hauptstadt ist, unsicher gemacht.
Am 9.12.06 flogen wir am frühen Nachmittag nach Arequipa,
von wo wir uns einer 3-tägigen Tortour durch das Tal des Colca Flusses unterzogen. Gegen Mittag des Folgetages fuhren wir mit einem Klapperbus die Staubpiste nach Chivay, wo in selbiger Nacht ein großes Fest war.
Unsere Führerin hatte uns schnell mit den lokalen Tänzerinnen in Kontakt gebracht, so dass wir unsere von der Busfahrt halb eingeschlafenen Beine auf dem großen Dorfplatz wieder in Schwung bringen konnten. Das Spektakel dauerte allerdings nicht ganz so lange für Philipp und mich, da wir schon den Bus für Morgens 6 Uhr gebucht hatten um unsere Tour während der weniger heissen Morgenstunden zu beginnen. Nachdem wir uns in Cobanaconde mit Eiern und Brot genügend gestärkt hatten waren wir fit für den Abstieg in eines der tiefsten Flusstäler Südamerikas.
Die Spanier hatten zu ihren glohreichen Zeiten hier eine kleine Luxushochburg für ihre „leading class“ eingerichtet, da das Tal reich an begehrten Früchten war und noch immer ist. Das durften wir dann nach dem kniezermürbenden 4,5 Stunden Abstieg und einem leckeren Mittagessen
auf der Südseite des Tals während weiteren 3 Stunden persönliche erfahren. Wir aßen Feigen frisch von den Bäumen,
Tuna direkt von den Kakteen und haben uns mit der Farbe der eigens dafür gezüchteten, kleinen, weiss gepuderten Insekten Kriegsbemalung ins Gesicht geschmiert. Um den Moskitos ein Schnippchen zu schlagen rieben wir uns mit einer minze-ähnlichen Pflanze ein, die uns auch bemerkenswert schützte. So dekoriert kamen wir am Abend müde in der kleinen Oase am Ende des Tals an, wo wir nach einer halben Stunde im Pool bei Sternenlicht mit unseren Kerzen zurück in die Hütten trotteten um Müde von Weg, Sonne und Gepäckschleppen in unseren Träumen zu versinken.
Bis um 2:40 Uhr schlummerten wir genügsam, als wir uns aufmachen mussten für den 1000 Höhenunterschied, der uns von unserem Ziel der Rückkehr nach Cobanaconde trennte. Kathie fiel leider von dem Muli, den unsere Führerin für Sie organisiert hatte und kämpfte so die Rückreise nach Arequipa mit Schulterschmerzen und einem aufgerissenen linken Bein. Der aufstieg war hart, dafür hat das Frühstückchen in einer kleinen Windgeschützen Bergecke mit heissem Mate der Coca und einem kleinen happen Zuckerbrot recht lecker geschmeckt.
Nachdem wir uns wieder mit den lokalen Transportmedien bis nach Arequipa durchgekämpft hatten fuhren wir in der Nacht noch nach Puno, wo wir Vicky aus den USA trafen, die uns dankenswerterweise schon ein Hostal organisiert hatte. Am Morgen des nächsten Tages machten wir die Bekanntschaft mit dem Lago Titikaka, dem höchsten schiffbaren See der Erde. Die peruaner scherzen bei Zeiten, dass sie die
„Titi“-Seite des Sees haben, währenddessen sich die Bolivianer mit der „kaka“-Seite abgeben müssen.
Auf den „schwimmenden Inseln“ lernten wir eine Nomadenkultur der besonderen Art kennen
und haben einige der schönsten Bilder unserer Reise gemacht. Später führte uns die Bootstour nach Amantani, wo wir die Nacht in den Häusern der Eingeborenen verbrachten. Leider wurden wir mit unseren romantischen Vorstellungen von Strohhütten – wie wir sie auf den „floating islands“ kennengelernt hatten, schnell von der Realität eingeholt und schliefen in einfachen Gästezimmern im zweiten Stock eines alten Bauernhauses (mit Strom).
Wir holten Kathie gegen Mittag des 15.12.06 in Puno ab, wo sie sich von ihrem Sturz erholte hatte und fuhren gemeinsam zur Grenzstadt Copacabana in Bolivien. Leider hat dieses Copacabana nur den Namen mit dem berühmten Fleckchen Erde auf Cuba gemeinsam. Das gute Preis-Leistungs-Verhältnis stark unterstützend haben wir die Wirtschaft mit einem Wäscherei-Großauftrag und einem guten Abendessen angekurbelt. Am späten Abend hätten wir gern noch den Lago Titikaka mit eigenen Gewässern bereichert, aber unserer Damen wussten uns 3 Männer schnell wieder an unsere gute Erziehung zu erinnern.
Mit einer mit Rädern beschenkten bolivianischen Großhupe fuhren wir kurz nach Sonnenaufgang, also so gegen 10 Uhr, völlig überladen auf Gängen und Dach, ins bolivianische La Paz. Im Zentrum des sich von uns aufbauenden Talkessels stehen hohe Bürogebäude im krassen Gegensatz zu an den Hängen dahinerodierenden Kleinsthütten, in denen allerdings wohl kaum weniger Menschen unterkommen als in den großen Apartments der reichen Oberschicht.
Etwas planlos wanderten wir durch die City und fanden eine der hellsten Strassen der Welt, eine mit Glühbirnenhändlern überfüllte Gasse, kurz bevor wir beim Israeli gut essen waren. Als wir unsere Biketour für den Folgetag gebucht hatten konnten wir 3 Männer uns gemütlich die Nacht mit dem russischen Karktenspiel „Durak“ vertreiben, während unsere Frauen sich für den am folgenden Morgen beginnenden Drahteselwettkampf mit der Natur vorbereiteten.
Nach dem 4 geschmacksverarmten kontinental Breakfast in Folge starteten wir unsere Abfahrt in die bolivianischen Yungas von einem mit Eis und Schnee bemantelten Bergrücken aus. Die ersten 30 km waren „asphaltiertes rollen lassen“ nur bergab, bis wir nach 3 kurzen Anstiegen auf unserer „Tour de Bolivia“, den Kampf gegen die gefährlichste Strasse der Welt auf weiteren 40 km mit insgesamt 3300 m Gefälle auf Schotterpisten, Wasserfuhrten, Schlammwellen und Felsformationen.

Dezember 25, 2006 um 2:24
Hey, vorzeitig abbrechen ist gemein.
Aber schön, mal wieder was von dir und deinen Reisen zu hören
Enjoy the sunshine, you little sunshine