Die Sonne geht unter an meinem letzten Tag in Argentinien, die Blumen für die Gastmutter sind im Haus und heute Abend stehen noch Abendessen bei Freunden und die letzte grosse Sause im Pachá an, bevors morgen mittag losgeht Richtung Flughafen. Es könnte keinen besseren Moment geben, um die Erlebnisse der letzten zwei Wochen festzuhalten:)
Los gings am 5. Dezember, um halb vier morgens hiess es bereits aufstehen, um pünktlich den Flug nach Santiago zu erwischen. Vom Flug konnte man sich bereits einen Eindruck von der einmaligen Geographie Chiles machen, eingeklemmt zwischen Bergen und Meer bleiben über tausende Kilometer Länge in der Breite nur ein paar Kilometer zum Leben übrig. Nach der Landung dann gleich der erste Schock: Warum versteht uns hier niemand? Uns nach einem halben Jahr Buenos Aires voreilig schon für gewiefte Latinos haltend, mussten wir eingestehen, dass Chilenen doch ein “bisschen” anders Spanisch reden. Aber irgendwie schafften wirs dann doch zum Bus und Richtung erstes Mittagessen, der lokalen Spezialität “Lomo a lo pobre”: Ein dickes Stück Rindfleisch mit zwei Spiegeleiern drauf, begraben unter Pommes und gebratenen Zwiebeln. Alles was der Mensch braucht:) Danach suchten wir uns ein schönes Hostal und beschlossen den Tag mit Mate trinken im Park und einem Abendessen mit Sammys Kollegen aus England. Hier ein Bild aus der Bleibe für die Nacht:
Am nächsten Tag brachen wir sofort auf Richtung Norden. In einem Bus der “Premiumklasse” gings los auf eine 24stündige Fahrt nach Iquique in der Region I. Wie eine deutsche Reisebekanntschaft später einmal treffend festhalten sollte, sind diese Busse wirklich die optimale Gelegenheit für jene, die immer schon mal wissen wollten, wie es in der First Class im Flieger wirklich aussieht. Stichwort: 180°-Betten und die Crew deckt Dich sogar zu;) Am nächsten Tag früh in Iquique angekommen, durften wir gleich den nächsten Glücksgriff tun. Nachdem das ursprünglich eingeplante Hostal leider geschlossen hatte, liessen wir uns vom Taxifahrer zu einem von ihm vorgeschlagenen schleifen und das war der Hammer. Direkt am Strand, Dachterasse mit Hängematte und selbst von meinem Bett aus hab ich aufs Meer geschaut. Dazu noch eine supernette Crew, alles neu, was will man mehr.. Noch am gleichen Tag bin ich mit einem netten Schwaben, der auf Weltreise in Iquique hängengeblieben ist noch Gleitschirmfliegen gegangen:
Den Rest des Tages ging dann beim den-Surfern-zuschaun (4m-Wellen direkt am Strand!) und einem hervorragenden Essen in einem kleinen Restaurant mit neuen Bekannten aus England, den USA und Deutschland zuende. Am nächsten Tag, den 8. Dezember, hatten wir ursprünglich schon die Weiterfahrt geplant, aber Sammy hatte am Morgen noch einen Surfkurs und irgendwie hats uns überhaupt so gut gefallen, dass wir beschlossen auch noch die nächste Nacht zu bleiben. Bei bestem Wetter und dem Strand vor der Tür hatten wir es aber sehr schön, unter anderem beim Seelöwengucken und beim Bummel durch die wirklich gnadenlos überkommerzialisierte Weihnachts-Mall:)
[Mittlerweile bin ich wieder in Meckenheim angekommen und hab Weihnachten mit der Familie verbracht, mit ein wenig mehr freier Zeit folgt nun die Fortsetzung:]
Am nächsten Tag früh zum Busbahnhof gepilgert, durften wir feststellen, dass der Bus erst spät am Abend fuhr, so dass noch ein Tag Strand und Hängematte, sowie ein Barbecue im Hostal drin waren. Die Nacht durchgefahren (inklusive einer völlig sinnlosen Gepäckkontrolle durch die lokale Polizei um drei Uhr nachts), kamen wir am 10. in San Pedro de la Atacama an, einem Ort der bereits auf ca. 2′500m als Oase inmitten einer völlig trockenen und staubigen Wüste liegt. Auch dort fanden wir schnell in schönes Hostal:
Leider merkte Sammy schon sehr schnell nach der Ankunft, dass sie die Höhe nicht verträgt, so fuhr sie noch am selben Tag wieder zurück an den Strand, während ich eine 4-tägige Tour durch die bolivianische Wüste bis Uyuni und zurück buchte. Früh am nächsten Morgen gings los, schwerbepackt mit zusätzlichen Wasserflaschen fand sich unsere kleine Gruppe aus zwei schwedischen Studenten, zwei italienischen Touristen, einer Australierin und mir in San Pedro zusammen , um mit einem kleinen Bus an den Startpunkt der Tour an der bolivianischen Grenze gebracht zu werden. Hier ein Bild von der Fahrt:
Den Asphalt, der hier oben noch zu sehen ist, begannen wir dann alsbald immer höher zu schätzen, während der nächsten Tage sollte mein Kopf noch häufiger Bekanntschaft mit der Decke des Jeeps schliessen. Auch begann die Höhe gegen Ende des ersten Tourtages bei mir ihre Wirkung zu zeigen, am Nachmittag auf ca. 4′500m fühlte ich mich schlapp und hatte Kopfweh. Bis wir aber mit unserem bolivianischen Fahrer Leo am ersten Refugio (Unterkunft für die Nacht) angekommen waren, passierten wir einige spektakuläre Landschaften, Lagunen und Geysire (auf über 5′000m!). Hier die Bilder:
Die Lagunen in der Gegend haben aufgrund unterschiedlicher Mineralvorkommen alle sehr unterschiedliche Farben, es gibt weisse, grüne, rote und blaue und in allen ausser der grünen (Arsen) leben Flamingos von Mikroorganismen. Wie man auf dem letzten Bild sieht, durften wir wie Matti ebenfalls Mate de Coca geniessen, dessen ihm zugesprochene Wirkung gegen Höhenkrankheit sich allerdings leider in Grenzen hielt;) Die Nacht im Refugio wurde dann ziemlich kalt, wir hatten nur eine Decke, keine Heizung und draussen warens ca. -15°. Wenn man der Kälte kurze Zeit trotzte wurde man dafür mit einem unbeschreiblichen Sternenhimmel belohnt, auf dem Nebel mit blossem Auge und Sternbilder eigentlich schon gar nicht mehr zu erkennen waren.
Am nächsten Tag war das Unwohlsein verflogen und wir fuhren nach einem nahrhaften Frühstück weiter Richtung Uyuni. Langsam fiel zwar auf, dass der Fahrer wirklich nur zwei Cassetten hatte, die er in Endlosschleife hörte (ich sag nur Cumbia), aber die Stimmung blieb konstant gut. An diesem Tag passierten wir einen Baum, den Sandstürme aus Fels geformt hatten, sahen noch einige Lagunen mehr und hatten mitten in der Wüste einen Platten: Etwas unangenehm, wenn man weiss, dass man wirklich nur ein Reserverad dabei hat, aber wir kamen gut an. Nachdem wir an einem Militärposten mitten im Nirgendwo einen Beutel Lutscher als Weggeld gelassen hatten, passierten wir noch ein kleines Dorf und kamen schliesslich in der Bleibe für die Nach an, dem Hotel de Sal, direkt am Salzsee von Uyuni. Der Salzsee ist mit seiner Ausdehnung von 100km auf 130km der grösste der Welt und aus seiner Kruste lassen sich praktische Klötze schneiden um Häuser zu bauen, was den Namen der Herberge erklärt. Die internationale Runde wurde dort durch Touristen aus Israel, Frankreich, der Schweiz und England ergänzt, so dass wir einen lustigen Abend beim Kartenspiel verbringen konnten. Hier noch die Bilder des Tages:
Nach einer Nacht unter drei Decken und dem Blick auf den Sonnenaufgang überm Salzsee vom Bett aus, fuhren wir am nächsten Morgen hinaus auf den Salzsee in Richtung einer der wenigen “Inseln”, die darüber verstreut sind. Die Fahrt war wirklich atemberaubend, man fährt und fährt in Richtung eines Gipfels am Horizont und sieht um sich herum nur weiss, in jede Himmelsrichtung. Die Fortbewegung wird nur erkennbar dadurch, dass sich der Boden (er ist in fünf- und sechseckige “Kacheln” aufgeplatzt) verändert. Auf der Insel, die wir erreichten standen viele Kakteen, einige davon über 1000 Jahre alt und wir konnten einen grossartigen Fotostop einlegen:
Kurz darauf erreichten wir Uyuni, eine recht kleine Stadt, die sich lediglich durch viele Tour-Unternehmen, langsame Internetcafés und einen Lokomotivenfriedhof auszeichnet.
Nach kurzem Stop und Wechsel auf einen anderen Jeep gings schon wieder los Richtung San Pedro. Eine Nacht verbrachten wir noch bei einem Schwager des Chauffeurs (der ausgezeichnet kochen konnte), bevor wir am 14. Dezemver wieder in Chile aufschlugen. Von San Pedro nahm ich noch am selben Tag einen Übernachtbus nach La Serena an der Küste, wo ich einen weiteren Zwischenhalt auf dem Weg zurück nach Santiago einlegen konnte. Die Jugendherberge dort war wunderbar, geführt von einer sehr lieben, älteren Dame, die uns mit Feigen aus ihrem Garten und jeder Menge Meeresfrüchten verwöhnte. Vor allem genoss ich aber das komfortable Bett nach doch recht vielen ungemütlichen Nächten in Folge;)
Der Rückflug von Santiago nach Buenos Aires war dann nochmal ein eigenes Kapitel: Schon beim Start wurde ein Gewitter in der Gegend von Buenos Aires angesagt, da der Tag dort sehr heiss gewesen war. Die letzte halbe Stunde vor der planmässigen Landung wurde dann immer ungemütlicher, bis wir dann mitten durch einen Hagelsturm flogen. Ständig hin- und hergeworfen vom Wind, mit Blitzen soweit man sehen konnte und dem Geräusch von Hagel auf der Hülle des Flugzeugs standen viele Leute an Bord Todesängste aus, übergaben sich oder schrien. Der Pilot brach die Landung irgendwann ab (ein furchtbarer Moment, man hörte, dass er Vollgas gab und trotzdem fielen wir) und wir flogen nach Montevideo in Urugay, wo wir die Nacht verbringen sollten. Nachdem wir gegen Mitternacht dort angekommen waren und eigentlich schon überhaupt nichts mehr los war, schafften es die Urugayos von überallher Leute zu zaubern, der Duty Free Shop öffnete wieder, am Zoll waren alle Schalter besetzt und während die Airline noch das weitere Vorgehen ausbaldowerte sassen wir mit neuen Freunden am Boden, tranken Rum und Mate und freuten uns, noch am Leben zu sein. Eine tolle Erfahrung, wie man über den Mate neue Leute kennenlernt und ihnen eine Freude machen kann, ihn immer weitergebens und wiederauffüllend.. Am frühen Morgen wurden wir mit dem Bus ins schönste Hotel von Montevideo gefahren, wo wir zwar nur zwei Stunden schlafen konnten (wir waren um 5 im Hotel), aber immerhin.. =) Nach einem guten Frühstück flogen wir schliesslich ohne Zwischenfälle ins sichtbar mitgenommene Buenos Aires zurück.
An dieser Stelle endet mein Blog. Ich hoffe, ich konnte Euch viele interessante Einblicke in das Leben als Austauschstudent bieten und freue mich darauf, in der nächsten Zeit Euch allen persönlich noch mehr erzählen zu können. Vielen Dank an alle treuen Leser und noch schöne Rest-Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr wünscht Euch von Herzen
Euer
Dominik
Januar 6, 2007 um 5:43 pm
Atemberaubend.
Januar 11, 2007 um 11:13 pm
Starke Story.
Beindruckende Bilder.
Eines lässt dich zu einem Schauspieler in einem surrealem Film werden, der an dessen Ende aufbricht um in neue Abenteuer zu starten.