Liebe Lesebegeisterten,
nach der anfänglichen Schreiblust nun der Einfachheit und Zeitknappheit wegen heute wieder auf Deutsch:
Ich wünsche Euch die gleichen 20 Grad Celsius, die wir derzeit in Lima geniessen, allerdings mit ein paar Sonnenstrahlen. Wieder darf ich Euch Positives berichten:
Meine Kurse an der Uni: Contabilidad de Financias I, Contabilidad de Costos, Economias de Asia (Gruß an Flo), Proyección Social, Macro II y Administración Estratégica; die lezten 3 mit Davina und Philipp zusammen. Die Klassenstärke beträgt im Durchschnitt 28 Personen, vergleichbar mit unseren Übungsgruppen. Viel Wert wird auf Teamarbeit, Fallstudien und Präsentationen gelegt.
Macro II wird als einer der schwersten Kurse in der Karriere hier gehandelt, der Prof ist allerdings sehr zugänglich und die anderen Studis haben ähnliche Verständnisschwierigkeiten wie Davina, Philipp und ich. Mit der Zeit wird sich das legen. Lektüre ist größtenteils auf Englisch, was allerdings keinen all zu großen Vorteil für uns darstellt.
Contabilidad de Financias I ist so grundlegend wie es sich anhört. Die ersten beiden Einheiten haben wir mit der traurig-grauen Basisgleichung der Buchhaltung verbringen müssen. Im Anschluss wurden wir dann mit den Grundbestandteilen der Bilanz gelangweilt. Die Zulassungsstelle in St.Gallen gestattet mir die Anrechnung zusammen mit Cost Accounting allerdings nur in dieser Form und Kombination.
In Cost Accounting ist der Prof dann auch gleich wesentlich besser, fast schon ein Showmaster. Die Inhalte dürften vergleichbar sein, allerdings lässt mich der Zeitaufwand pro Woche schätzen, dass wir im Verlauf des Semesters noch tiefer in die Materie eindringen werden, als es uns in St.Gallen mit den wenigen Stunden möglich war. Das Thema interessiert mich überdies auch noch.
In Proyección Social werden wir lokalen Kleinstfirmen mit studentischer Beratung unter die Arme greifen. Dieser von Austauschstudenten traditionell geliebte Kurs ermöglicht echte Praxisarbeit und verlangt einiges an Fingerspitzengefühl von den Fastabsolventen einer der teuersten Universitäten des Landes. Das teils krasse Wohlstandsgefälle wird hoffentlich durch begrenzte Anforderungen und liebevolle Erklärungen der erarbeiteten Vorschläge mehr als ausgeglichen werden. Mitte kommender Woche werden wir wissen, welche Minifirma wir jeden Freitagmorgen besuchen werden.
Administración Estratégica ist wohl am ehesten vergleichbar mit strategischem Management, lässt aber das Herz jeden Planspielbegeisterten höher schlagen. Wir simulieren mit 9 Teams die strategischen Entscheidungen einer Produktionsfirma über den Zeitraum von 16 Wochen. Da wird richtig was gelernt. Sonst ist der Kurs aber von langweiliger Trostlosigkeit und dem absolut verpeiltesten Prof meines bisherigen Universitätslebens geprägt. Der gute Herr weiss weder was er möchte, noch wie er es uns beibringen könnte, geschweige denn, dass seine Stunden irgendeine (im besten Fall vielleicht doch irgendwie didaktische) Struktur erkennen liessen. Na ja, dafür haben uns die Peruaner bereits gebeichtet, dass er mit die schlechtesten Noten der Uni vergibt… also dann….. Prost Mahlzeit.
Von Economias de Asia weiss ich bisher nur zu berichten, dass der Prof ein Deutschperuaner ist, der für Thyssen Krupp in Ratingen gearbeteitet hat. Der Kurs dürfte wohl spannend und überschaubar arbeitsintensiv werden. Da ist dann auch mal eine gute Abwechslung.
Nach der ersten Uniwoche lasse ich mich dazu verleiten, den Arbeitsaufwand mit St.Gallen zu vergleichen. Da meine Fächer hier zum großteil aus Pflichtfächern bestehen, ist das nicht weiter verwunderlich. Die erste kleine Prüfung habe ich heute über die Lektüre von Cost Accouting abgelegt. Die erste Gruppenarbeit haben wir Proyeccion Social eingereicht. Eine schriftlich ausgearbeitete Fallstudie hätten wir schon am Donnerstag in Strategie einreichen sollen, aber zum einen haben wir den Fall der letzten Stunde fälschlicherweise verschriftlicht und zweitens hat der Prof (so viel zu seiner Berechenbarkeit) kurzerhand den Plan geändert und das Planspiel erneut im Detail erklärt. So sind wir nochmal mit einem blauen Auge davongekommen.
Ich hoffe Euch bleiben selbst die blauen Augen erspart und Ihr könnt allesamt auch die Zeit in Deutschland, der Schweiz oder Österreich geniessen.
Ganz liebe Grüße und bis bald,
Matti